Halten Sie am Mittelpunkt Unnas an

Kein Ort wie viele andere

Der Zufall wollte es, dass der geographische Mittelpunkt der Stadt Unna - in den Grenzen seit der Neuordnung zum 1.1.1968 - in Uelzen liegt, nur 200 m von der Grenze zu Mühlhausen, und zwar an einer ganz besonderen Stelle:
- am Hellweg, einem Jahrtausend alten Verkehrsweg
- neben der ersten Bahnlinie unseres Raumes, der 1855 in Betrieb gegangenen "Hellweg-Eisenbahn"
- nahe geschichtsträchtigen Stätten
- an einer der großen naturräumlichen Grenzlinien Europas
- mit einem prächtigen Blick in die Landschaft, vor allem auf das 200 Hektar große Naturschutzgebiet "Uelzener Heide/Mühlhauser Mark".

Zur Kenntlichmachung des Mittelpunktes errichtete der Heimatverein Mühlhausen/Uelzen 1999 zum 750-jährigen Jubiläum von Uelzen ein so genanntes "dreibeiniges Tafelsignal" nach historischem Muster. Auf Initiative der Seniorenzeitung "Herbstblatt" hatte das Katasteramt des Kreises Unna kurz vorher den Mittelpunkt Unnas in Uelzen an der Bahnlinie Unna-Soest nahe beim ehemaligen Hellweg ermittelt. Der Platz befindet sich auf dem Gelände der Stadtwerke Unna, die darauf das Regenwasser ihres im Indu-Park auf der Südseite der B 1 gelegenen Betriebsgebäudes umweltfreundlich versickern lassen. Auf dem Gelände weiden seit Ende April 2010 zeitweise je nach Futterangebot zwei bis drei Schottische Hochlandrinder.
Ganz in der Nähe wurde am 13.3.2006 von dem Ornithologen Werner Prünte aus Fröndenberg ein Birkenzeisig gefangen und beringt, der dann im Dezember 2007 auf den Färöer-Inseln im Nordatlantik - 1.456 km entfernt - anhand des Ringes identifiziert wurde: Eine neue Perspektive im Vogelzug.
Eine Plakette, angebracht auf einem Sockel unter dem Tafelsignal, trägt folgende Inschrift:

Geographischer Mittelpunkt
von
Unna

51° 32' 22" n. Br.     7° 43' 41" ö. L.

Errichtet zum 750-jährigen Jubiläum von Uelzen
1249 - 1999
Heimatverein Mühlhausen/Uelzen

Später stattete der Heimatverein den Platz noch mit Orientierungstafel, Bank, Tisch und Info-Kasten aus.
Mit Hilfe der Orientierungstafel lassen sich viele markante Bauwerke in der Nordhälfte des Kreises Unna identifizieren. Hier liegt die Stelle im Raum Unna, wo man sich - neben dem etwa 1,5 km nordöstlich gelegenen Mühlhauser Berg - den besten Überblick über die reizvolle Landschaft am Ostrand des Ruhrgebiets verschaffen kann.
Im November 2011 stellte der Heimatverein mit Unterstützung des Umweltamtes noch eine Info-Tafel auf, die die hier reichhaltige dorftypische Pflanzenwelt eines Trockenstandortes erläutert.
Pflanzenaufstellung hier durchsehen
"Die Pflanzenwelt von Mühlhausen — Uelzen" in ihrer Gesamtheit ist in einem Beitrag von Dr. Götz Heinrich Loos aus dem Jahre 1996 unter der Rubrik "Tag der Weide" einzusehen.

Wie ein Metallschild "99,5 m MHN-Höhe" am Sockel der Orientierungstafel aufzeigt, verläuft der Hellweg in diesem Bereich auf einer Höhe von knapp 100 m.



Unnas geographische Mitte in Uelzen
an der Bahnlinie nach Soest. Blick nach Osten.
(Foto: Josef Cornelissen - DVD 1.7.1)
Blick vom Mittelpunkt nach Südwesten.
(Foto: Walter Ehrenstein - DVD 1.7.6)
Fotos aus der DVD des Heimatvereins "Unna-Mühlhausen/Uelzen 2006/2007".

Am Jakobsweg

Der Weg dort am Bahndamm entlang ist nicht nur Teil des jahrtausendalten Hellwegs, sondern war gleichzeitig Jahrhunderte hindurch Teil des weitverzweigten Jakobswegs, des Pilgerwegs nach Santiago de Compostella in Nordspanien. Am 24. März 2010 eröffnete die Altertumskommission für Westfalen, eine Institution des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, die Strecke als Pilgerweg und schilderte ihn mit dem blaugelben Muschelzeichen aus. Dazu ist ein Begleit-Buch "Jakobswege – in 9 Etappen von Höxter über Paderborn und Soest nach Dortmund" mit vielen Karten erschienen (Band 8, über 240 Seiten, Preis 14,95 Euro.) Die Altertumskommission hat darum gebeten, religiöse und kulturelle Besonderheiten am Pilgerweg kenntlich zu machen.
Der Heimatverein hatte im Vorgriff darauf schon im April 2009 ein Willkommensschild mit Bank und Informationen am östlichen Ortseingang von Mühlhausen aufgestellt. Da der Jakobsweg in Mühlhausen/Uelzen an drei Stellen wegen der seitlich verlaufenden Eisenbahnlinie Unna–Soest abknickt, stellte der Heimatverein im Sommer 2011 drei große Steine mit dem Pilgerzeichen als Wegweiser auf. Die blaue Kachel mit der gelben Pilgermuschel wurde von der Keramik-Künstlerin Gisela Lücke aus Massen angefertigt. Zwei der Steine sind aus Ruhrsandstein und wurden aus einem Steinbruch in Herdecke geholt. Der bearbeitete Stein an der Ecke Twiete/Uelzener Hellweg gibt Rätsel auf. Vorher stand er jahrzehntelang vor dem Hof Kötter in der Uelzener Dorfstraße; die Milchkannen wurden hierauf zum Abholen bereitgestellt. Es könnte sein, dass er einstmals Teil der Tür des schon im Jahr 1500 erwähnten Unnaer Siechenhauses oder dessen Kapelle war. In der Kapelle stand ein Jakobsaltar für die vorbeiziehenden Jakobspilger.

Einer der drei Steine an den Abbiegungen des Jakobsweges.
Dieser Stein aus Ruhrsandstein wurde vom Heimatverein aus einem Steinbruch in Herdecke geholt.
(Foto Helmut Thomas)


Auf dem Jakobsweg im Unnaer Osten
Im Naturreport 2010, Nr. 14, S. 65 ff., dem Jahrbuch der Naturförderungsgesellschaft für den Kreis Unna e. V., erschien dazu der folgende Beitrag von Barbara Cornelissen, einer der beiden Vorsitzenden des Heimatvereins. Er berichtet über Natur und Kultur wie auch anderes Interessante auf der knapp 9 km langen Teilstrecke zwischen Unna-Hemmerde und Unna-Uelzen.
Artikel hier lesen


Am Mittelpunkt selbst wurde am 20. Juni 2009 ein Kreuz aus Edelstahl in einer gemeinsamen Feier von der Kath. Pfarrgemeinde Unna, den Evang. Kirchengemeinden Hemmerde-Lünern und Unna sowie dem Heimatverein eingeweiht. Es soll an ein Kreuz erinnern, das laut dem Kartenwerk des preußischen Generalmajors Lecoq von 1805 dort in der Nähe stand. Angefertigt und gestiftet wurde es von der Firma Kohlhoff im Indu-Park. (Der Inhalt der Info-Tafel ist weiter hinten unter "Noch mehr Informationen" wiedergegeben)
Am 17. März 2010 pflanzte der Heimatverein wenige Meter hinter dem Kreuz eine Ulme, genauer: eine Flatterulme, versehen mit einem kleinem Info-Schild. Ulmen waren früher bei uns weit verbreitet, bis sie vor einigen Jahrzehnten der Ulmenkrankheit zum Opfer fielen. Der Verein hofft, dass der neu gepflanzte Baum der Krankheit widersteht und in einigen Jahren seine Äste wie ein Dach über das Kreuz ausbreitet.

Das am 20.6.2009 eingeweihte Kreuz an Unnas Mittelpunkt.
Blick nach Nordosten Richtung Lünern.
(Foto: Ulrich Knies)


Ehemalige Richtstätte
Etwa 200 m westlich vom Mittelpunkt befand sich über 300 Jahre der Richtplatz für das gesamte damalige Amt Unna. Noch heute nennt sich das Flurstück auf der Westseite der Twiete "Am Galgen". Die letzte Hinrichtung fand 1805 statt, als der Mörder Christian Schulte aus Strickherdicke dort gerädert wurde. Näheres dazu in einem Vortrag "Strafvollzug anno dazumal in Unna und Umgebung" von Josef Cornelissen vom 14. April 2011.
Vortrag hier lesen

Zur Erinnerung an den Richtplatz hat der Heimatverein am 8. Mai 2014 in der Nähe des Mittelpunktes eine Stele errichtet, entworfen und angefertigt von dem Künstler Harald K. Müller H9 aus Hamm. Da sie auf dem Grund und Boden der Stadt Unna steht, war dazu die Genehmigung der Stadt erforderlich. Diese wurde erst nach längerer politischer Diskussion und mehrfacher Abänderung der Entwürfe gegeben.
Bauantrag hier einsehen

Neben der Stele wurde eine Info-Tafel aufgestellt.
Tafel ansehen

Die beiden Seiten der Stele
zur Erinnerung an den ehemaligen Richtplatz
gleich nach der Aufstellung am 8. Mai 2014
(Fotos: Josef Cornelissen)


Die Stele ist ein Mahnmal gegen die Todesstrafe, die in der Bundesrepublik seit 1949 durch Artikel 102 des Grundgesetzes abgeschafft ist, aber in vielen Ländern der Erde noch praktiziert wird. Bei der Enthüllung der Stele wies Manfred Hartmann von der Amnesty International Gruppe Unna in seiner Ansprache darauf hin, dass nur ein Drittel der Menschheit in Staaten lebt, in denen die Todesstrafe abgeschafft ist.
Ansprache hier lesen

Im linken Rand der Stele ist ein QR-Code integriert mit Kurzangaben über die stattgefundenen Hinrichtungen.
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Am Fuß der Stele auf der Südseite sind neben den Getreidehalmen zwei kleine Blumen zu sehen. Es soll Löwenzahn sein. Gemeint ist der ’Mühlhauser Löwenzahn’ mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Taraxacum mulinhusium. Dr. Götz Heinrich Loos hat diese bisher unbekannte Löwenzahnart in den 1990er Jahren entdeckt. Da er von Kind auf an den Naturschutzmaßnahmen in Mühlhausen/Uelzen beteiligt war, hat er sie nach Mühlhausen benannt, und zwar nach der Ersterwähnung als Mulinhusun um das Jahr 890.

Darüber hinaus ist daran gedacht, weiter westlich jenseits der Bahnschranke am Uelzener Weg eine Skulptur zur Erinnerung an das frühere Unnaer Siechenhaus aufzustellen. Dieses lag aber einst nicht auf Uelzener Gebiet, sondern auf dem der Stadt Unna. Auch dafür hat Harald Müller einen Entwurf vorgelegt.



(Für diejenigen, die sich nicht so auskennen: Der historische Hellweg verläuft im Osten Unnas etwa 200 m nördlich parallel zur B 1. Der Mittelpunkt Unnas liegt direkt am Hellweg auf der Höhe des Induparks Unna/Ost, der durch die architektonisch interessanten Bauten der Stadtwerke und anderer Betriebe ins Auge fällt. Er ist von dort durch einen Fuß/Radweg zu erreichen.

Genau genommen lag die Trasse des historischen Hellwegs etwa 50 m weiter nördlich als gerade Verbindung zwischen den heutigen Straßen Mühlhausener Hellweg und Uelzener Hellweg. 1855 beim Bau der hier verlaufenden "Dortmund-Soester-Eisenbahn" wurde sie etwas nach Süden verschwenkt und führt seitdem an der Südseite des Bahndamms entlang. Der ursprüngliche Verlauf ist noch heute im Profil des Ackers zu erkennen.)